Vorstellung des Projekts kolloquiA


Vorstellung des Projekts kolloquiA durch die Projektleiterin Helga Klösch-Melliwa bei der Buchpräsentation am 10. Juli 2001

Einleitung
Zur Idee des Vorhabens
Welche Resultate liegen nun vor?
“Leidenschaft und Bildung”
Mitarbeiterinnen und Autorinnen



Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe frida-Frauen!

Ich möchte mich zuallererst für diesen großartigen Rahmen bedanken, in dem unsere Präsentation stattfinden kann. Im Namen des kolloquiA-Teams herzlichen Dank an Frau Dr. Knollmayer und Frau Dr. Rachinger, auch für die einleitenden Worte.

Wenn Sie sich den Umfang von kolloquiA vergegenwärtigen, knapp über 600 Seiten, dann werden Sie verstehen, mit welcher Freude und doch auch Erleichterung wir alle, die daran mitgearbeitet haben, das fertige Produkt in Händen halten. Um unsere Projektarbeit und die umfangreiche Publikation in wenigen Zügen umreißen zu können, möchte ich drei Schwerpunkte setzen.

Zur Idee des Vorhabens

Der Impuls zum Projekt kolloquiA entstammt einem Themenkatalog, der 1996/97 von Mitarbeiterinnen des Vereins frida ausformuliert wurde. Dies war ein Katalog, gedacht für die Konzeption des Eisenstädter Fachhochschul-Studienganges “Informationsberufe”, der Vorschläge einbrachte, wie frauenbezogene/feministische Informationsarbeit in das Curriculum einfließen könnte. frida hatte damals gerade die thesaurA, den bereits angesprochenen österreichischen Frauenthesaurus, herausgebracht und die Reaktionen auf solch ein dokumentarisches Nachschlagewerk waren überaus positiv. Es ließ vermuten, dass Materialien zur Erweiterung und Anwendung des Wissens um frauenbezogenene / feministische Informationsarbeit von Fachfrauen und auch -männern mit Interesse aufgenommen würden.
Doch wurden wir damals aus diesen hochgestimmten Vorstellungen insofern auf den Boden der Realität zurückgeholt, als deutlich wurde, dass es eigentlich keine griffige Basis gab, keine systematische Auseinandersetzung mit der Geschichte, den Theorien und Methoden sowie Perspektiven zu unserem Arbeitsfeld, auf die sich eine angemessene Vermittlung hätte stützen können.

Die Idee, die sich daraus ableitete, war nun, diese “Bildungs- und Forschungslücke” zu füllen. Die ersten Ansätze des Thesenpapiers habe ich in der Folge aufgegriffen, daraus mit Unterstützung der Arbeitsgruppe kolloquiA ein Konzept entworfen und schließlich wurde das Projekt in den Jahren 1998 und 1999 durchgeführt.

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Welche Resultate liegen nun vor?

kolloquiA ist beides zugleich: Bestandsaufnahme und “work in progress”. Das bedeutet, sie enthält einerseits konkrete Aufarbeitungen mit historischen und gegenwartsbezogenen Befunden, diese belegt durch historische Quellen oder durch aktuelles Datenmaterial aus empirischen Erhebungen, und andererseits wird aber auch auf unbearbeitete Themen hingewiesen; dabei werden interessante Forschungsansätze vorgestellt und diese zur Weiterbearbeitung empfohlen, als Hinweise für Fachfrauen und -männer, WissenschaftlerInnen und Studierende.

Die Materialiensammlung enthält eine große Bandbreite an Themen: beispielsweise eine Geschichte der österreichischen Fraueninformationseinrichtungen, eine Berufsgeschichte von Druckerinnen und eine von Verlegerinnen in Österreich, eine Skizze der Entwicklung von “traditionellen” Informationsberufen hin zu den Informationsfachfrauen im “neuen Design”. Wir haben zwei empirische Erhebungen durchgeführt: eine Nutzerinnenbefragung und eine quantitative sowie qualitative Studie zum Verein frida und seinen Fachfrauen.

Des weiteren gibt es praxisrelevante Aufarbeitungen: die Darstellung von Beständen – etwa historische Frauenzeitschriften, feministische Zeitschriften, Non-Book-Materialien, virtuelle Ressourcen -, sowie die Beschreibung ihrer inhaltlichen Erschließung und ihrer Zugänglichkeit. Die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Fraueninformationseinrichtungen des Vereins frida sind auch in einem benutzerInnenorientierten Serviceteil zusammengefasst.

Ein weiteres Kernthema ist die geschlechterbezogene Analyse der Situation im Aus- und Weiterbildungswesen. Denn es ist ein Faktum, dass frauenbezogenen Inhalten und auch lehrenden Fachfrauen im Konzept und System der österreichischen Aus- und Weiterbildung kein oder wenig Raum zugestanden wird. Dieser Mangel ist besonders eklatant in jenen Ausbildungsinstitutionen, die immer bedeutsamer werdende Tätigkeitsfelder der Informationsarbeit mitgestalten, also beispielsweise in den informations-, kommunikations- und medientechnologischen bzw. -wirtschaftlichen Fachhochschul-Studiengängen.

Wir sind diesem Wandel in der Informationsarbeit und in der Berufsentwicklung besonders aufmerksam nachgegangen. Gerade auch deshalb, weil er sicherlich Veränderungen und Umdeutungen in den geschlechtsbezogenen Zuschreibungen an das Berufsbild mit sich bringen wird. So haben wir uns in kolloquiA – theoretisch und praxisbezogen – intensiv mit dem Kontext von Informationsarbeit, Neuen Technologien und auch neuen Arbeitsverhältnissen befasst.

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“Leidenschaft und Bildung”

Ich nehme hier Anleihe beim Titel einer Publikation, die 1992 von der deutschen Bibliothekarin Helga Lüdtke herausgegeben wurde, ein Standardwerk, das wohl alle kennen, die sich mit Bibliothekarinnengeschichte auseinandergesetzt haben. In dieser Aufsatzsammlung wird die “Liebe” von Volksbibliothekarinnen zu ihrem Arbeitsfeld und ihr oft leidenschaftliches Bekenntnis zu ihrer Bildungs- und Kulturarbeit vorgeführt. Auch wenn es sich dabei um eine historische und deutsche Dokumentation zu den Jahren 1895-1945 handelt, können durchaus Verbindungen zu heutigen Informationsfachfrauen in Österreich hergestellt werden.

Denken Sie an die Umfrage der VÖB aus dem Jahr 1996, die zwar nicht gerade von “Leidenschaft” spricht, aber eine große Arbeitszufriedenheit gerade bei Frauen konstatiert. Oder denken Sie an das öffentliche Büchereiwesen, das ohne die unbezahlte / ehrenamtliche Tätigkeit von Frauen überhaupt nicht möglich wäre: rund 85% der Büchereien werden ehrenamtlich betreut und davon sind rund 90% Frauen. Ohne Begeisterung an der Tätigkeit wäre das wohl nicht denkbar.

Und auch die qualitative kolloquiA-Untersuchung zu den Vereinsfrauen von frida brachte ähnliche Ergebnisse: es herrscht große Arbeitszufriedenheit und viel Engagement, und das, obwohl die Arbeitsbedingungen oft ausgesprochen schwierig sind. Diese Freude an der Informationsarbeit ist begleitet von einer ausdauernden frauenpolitischen/feministischen Perspektive und deren Umsetzung in die Informations-, Bildungs- und Kulturpraxis.

Ich resümiere: Der Materialienband kolloquiA sollte auf jeden Fall fortgedacht und fortgeschrieben werden! Doch vorerst einmal ist es unser großes Anliegen, dass die vorliegenden Bestandsaufnahmen ihr Publikum erreichen, dass sie von Fachfrauen und -männern, von MultiplikatorInnen, von Lehrenden und Studierenden in der Aus- und Weiterbildung wahrgenommen werden und zur Wissensvertiefung und zur Wissensvermittlung anregen. Dann macht unsere intensive Arbeit den Sinn, der ihr zugedacht wurde.

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Und nun möchte ich noch jene Frauen in den Mittelpunkt rücken, die als Mitarbeiterinnen oder Mithelferinnen an der Umsetzung des Projektes mitgewirkt haben. Die Vereinsfrauen von frida, die sich durch infrastrukturelle Arbeiten oder durch ihre Teilnahme an der empirischen Untersuchung beteiligten, und nicht zu vergessen die Benutzerinnen, die sich für eine Befragung zur Verfügung stellten.
Aber vor allem möchte ich die Mitarbeiterinnen der Arbeitsgruppe kolloquiA und die Autorinnen der kolloquiA hervorheben. Sie kommen aus unterschiedlichen Arbeitszusammenhängen und haben ihre unterschiedlichen Blickwinkel auf die Tätigkeitsfelder von Informationsarbeit miteingebracht:

In alphabetischer Reihenfolge sind das:

  • Stefanie Bierbaumer
  • Christa Bittermann-Wille
  • Christina Buder
  • Gitti Geiger
  • Bärbel Hegenbart
  • Helga Hofmann-Weinberger
  • Barbara Kintaert
  • Lizzi Kramberger
  • Renate Retschnig
  • Roberta Schaller-Steidl
  • Edith Stumpf-Fischer
  • Andrea Zemanek
  • Waltraud Zirngast

Herzlichen Dank an alle! Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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