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»Tagebücher als Quellen. Forschungsfelder und Sammlungen seit 1800«: Neue Publikation zu Archivpraktiken und Wissenschaftskonjunkturen von Li Gerhalter ist soeben erschienen

Wie entstehen Archiv-Bestände von Selbstzeugnissen? Wer trifft hier welche Entscheidungen und welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Sind Frauen in diesen Sammlungen anders dokumentiert wie Männer? Und forschen Frauen vielleicht auch öfter mit solchen Quellen?

Diese und weitere Fragen stehen im Zentrum des Buches “Tagebücher als Quellen. Forschungsfelder und Sammlungen seit 1800” von Li Gerhalter. Das Beispiel der Tagebuchforschung zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen gibt einerseits einen breitgefächerten Einblick in zeitspezifische Wissen(schaft)skonjunkturen, Forschungspraktiken und Sammlungsstrategien. Andererseits werden Veränderungen der Handlungsspielräume von Frauen als Forscherinnen sichtbar, die sich im langen Beobachtungszeitraum fundamental verändert haben.

Das Buch ist soeben als Band 27 der feministischen Reihe “L’Homme Schriften” bei V&R erschienen (Link zur Verlagsbeschreibung).

Inhaltsverzeichnis als PDF.

Klappentext: Tagebücher werden seit 1800 wissenschaftlich ausgewertet. Wiederholt ist das in den Anfangsphasen neuer Fächer zu beobachten. Die Absichten der Forscher:innen waren dabei jeweils unterschiedlich: Die Kleinkinderforschung des 19. Jahrhunderts und die Jugendpsychologie ab 1920 haben maßgebende Thesen über ›Normalverläufe‹ der menschlichen Entwicklung auf Selbstzeugnissen aufgebaut. Die Alltags-, die Sozial- und die Frauengeschichte suchten darin ab den 1980er-Jahren Spuren individueller Lebensgeschichten. Seither sind umfangreiche Sammlungen entstanden, die heute eine ausdifferenzierte Auto/Biografieforschung ermöglichen. Li Gerhalter nimmt als Akteur:innen dieser vielseitigen Geschichte neben Wissenschafter:innen und Sammler:innen auch jene Personen in den Blick, die Tagebücher zur Verfügung gestellt haben. Mit diesem Buch über die facettenreiche Tagebuchforschung gibt sie Einblicke in zeitgebundene Forschungspraktiken.

Li Gerhalter ist Historikerin, stv. Leiterin der Sammlung Frauennachlässe am Institut für Geschichte der Universität Wien (Link), Administratorin des Weblogs Salon 21 (Link) und seit 2017 Obfrau von frida.

Das Coverbild des Buches wurde gestaltet von der Wiener Künstlerin Anna Reschl.